°°Tulpenkanzel im Dom zu Freiberg°°

Die Tulpenkanzel ist eines der bekanntesten Kunstwerke des Domes. In der Literatur wird sie eine „großartige, eigenwillige Schöpfung spätgotischer Kunst“ genannt. Dieser hohe Predigtstuhl wird auch als Festtagskanzel bezeichnet und wurde lange Zeit dem Bildhauer Hans Witten von Köln als Höhepunkt seines Schaffens zugeordnet – gleichwohl wird diese Identifizierung in jüngerer Zeit wieder in Frage gestellt. Sie entstand wahrscheinlich zwischen 1505 und 1510. Die Tulpenkanzel wird weder von einer Wand noch durch Pfeiler gestützt und so scheint es, als würde dieses Meisterwerk aus Hilbersdorfer Porphyrtuff (ein rhyolitischer Tuff) wie ein Blütenkelch mit 4 Stängeln aus dem Boden wachsen. Diese Stängel sind zweimal mit Stricken an den inneren Schaft gebunden. Zwischen beiden Verschnürungen spielen singende Engelskinder. An dem Blütenkelch erscheinen die vier Kirchenväter Augustin als Bischof, Gregor als Papst, Ambrosius als Erzbischof und Hieronymos als Kardinal. Die dominierenden Figuren sind ein vornehm gekleideter Mann (es könnte sich um eine Darstellung des Stifters der Kanzel handeln), am Fuße der Kanzel ruhend, von Löwen umgeben (es könnte Daniel, der Schutzpatron der Bergleute sein) und ein Knappe (dies könnte ein Selbstbildnis des Meisters H.W. sein), der die Last der Wendeltreppe auf seinen Schultern trägt. Der Knappe sitzt auf einer Astgabel eines Baumstammes unterhalb des Treppenaufganges. Über dem Kanzelkorb schwebt ein hölzerner Schalldeckel, bekrönt von einer Madonna, die mit ihrem Kind spielt.
Quelle: Wikipedia
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Es hätten einst, so erzählt die Sage, ein Meister und sein Geselle —die unten sitzende büßende, sinnende Gestalt eines bärtigen Mannes und die schöne Gestalt eines kräftigen Jünglings, der die Treppe mit seinem Rücken abstützt —gleichzeitig verschiedene Entwürfe zu dem Kanzelbau gefertigt. Weil das Modell des Gesellen dem des Meisters vorgezogen wurde, habe dieser seinen Gesellen aus Eifersucht getötet. Der Fluch des Sterbenden sollte keinen Prediger auf der Kanzel sprechen lassen. Historisch ist überliefert, dass Superintendent Nikolaus Hausmann am 5. November 1558 während seiner Antrittspredigt auf der Tulpenkanzel einen Schlaganfall erlitt und drei Tage später verstarb.
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Neben der Tulpenkanzel und der hier im Hintergrund zu sehenden Bermannskanzel beinhaltet der Freiberger Dom noch viele weitere Sehenswürdigkeiten wie. z.B. Die goldene Pforte, reichaltige Verzierungen und die Fürstliche Begräbniskapelle der Albertiner.
Ein Besuch der fast vollständig erhaltenen Innenstadt um den Untermarkt und der im Schloss Freudenstein untergebrachten weltgrößten mineralogischen Sammlung (terra mineralia)lohnen sich zu jeder Jahreszeit.

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